1. Mai 2026 | Spontankundgebung
Wir halten zusammen
In der Nacht zum 1. Mai wurde die Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde in Memmingen geschändet. Binnen zwei Stunden haben wir als Bündnis für Menschenrechte und Demokratie eine Solidaritätskundgebung organisiert.
Artikel 4 des Grundgesetzes ist eindeutig. Jeder Mensch in diesem Land hat das Recht, seinen Glauben frei zu leben, seinem Gewissen frei zu folgen und seine Religion ungestört auszuüben. Diese Freiheit wurde bewusst als unantastbares Grundrecht verankert, weil eine Gesellschaft, in der Menschen ihren Glauben nicht frei leben können, keine freie Gesellschaft ist. Wer eine Moschee, eine Kirche oder eine Synagoge betritt, steht unter dem Schutz dieses Staates.
Was in der Nacht zum 1. Mai in Memmingen passiert ist, war ein Angriff auf genau dieses Grundrecht. Eine gezielte Tat, die Angst machen sollte. Angst in einer Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten Teil dieser Stadt ist. İdris Ak vom Vorstand der Gemeinde hat es bei der Kundgebung so formuliert: „Das ist kein Angriff gegenüber dem Islam, das ist kein Angriff gegenüber unserer Gemeinde. Das ist ein Angriff gegenüber uns, gegenüber uns, die in Gemeinschaft leben wollen.“
Wir sind hingegangen.
Rund 200 Menschen haben sich noch am 1. Mai vor der Moschee versammelt, darunter etwa 150 Mitglieder der muslimischen Gemeinde und viele nichtmuslimische Bürger*innen. Viele hätten an diesem Feiertag auch einfach zu Hause bleiben können. Sie sind trotzdem gekommen. Aus der Gemeinde haben wir gehört: „Wir gehören hierher, ich bin hier geboren. Eure Solidarität gibt mir Sicherheit.“ Genau für diesen Moment sind wir da.
Maria Zarkadas hat bei der Kundgebung für das Bündnis gesprochen und dabei etwas gesagt, das uns alle antreibt: „Wir schweigen nicht. Wir können nicht zu Hause bleiben. Wir haben beschlossen, ein Zeichen der Solidarität zu setzen.“ Weil Artikel 4 des Grundgesetzes kein leeres Versprechen ist, sondern ein Auftrag an uns alle. Dieser Schutz muss im Alltag spürbar sein. Und wenn er angegriffen wird, stehen wir auf. Sofort.
Memmingen, die Stadt der Freiheitsrechte. Eine Stadt, in der Menschen füreinander einstehen. In der niemand allein gelassen wird, weil er anders glaubt, anders aussieht oder anders heißt.
Wir halten zusammen. Heute, morgen und immer dann, wenn es darauf ankommt.

