Statement zu unserer Aktion
Wir sind Heimat | 24. Februar 2026
Wir waren draußen. Wir waren mehr. Und wir kommen wieder.
250 Menschen standen am politischen Aschermittwoch im Schnee. Nicht, weil es bequem war, sondern notwendig.
Ein Pfarrer. Ein Gewerkschafter. Eine Schauspielerin. Eine Bildungsreferentin. Ein Filmemacher. Eine Feministin. Ein Pastoralreferent. Ein Chor. Stimmen der Memminger:innen.
Sie sprachen aus, was viele Memminger:innen denken: Heimat gehört uns allen, die hier leben, arbeiten und lieben. Viele dieser Menschen sind es, denen die AfD das Recht auf Heimat abspricht. Wir sagen: Nein. Nicht mit uns. Nicht in dieser Stadt.
Drinnen, in der warmen Stadthalle mit Verköstigung, zählte die AfD-Veranstaltung laut Stadthalle 180 Personen. Wir erwähnen das hier ohne Häme, aber auch ohne falsche Bescheidenheit.
Ein anonymer Spender hatte vorab angekündigt, 5 Euro pro Besucher:in der AfD-Veranstaltung zu spenden und übergab uns 900 Euro für eine soziale Einrichtung, die Menschen unterstützt, die Ausgrenzung erleben. Welche Einrichtung davon profitiert, geben wir nach der Kommunalwahl bekannt, damit diese Geste nicht politisch instrumentalisiert wird. Es geht um die Menschen. Nicht um die Schlagzeile.
Herr Maier und die Kunst der Spendenalchemie
In seiner Eröffnungsrede beim politischen Aschermittwoch der AfD, ging Maier sogar auf unsere Veranstaltung ein.
Aufmerksamkeit ist super. Wir freuen uns darüber. Aber dann folgte das vertraute Ritual: Die Empörung über die angebliche Benachteiligung der AfD in dieser kalten Welt.
Das Cateringunternehmen der Stadthalle hatte vorab mitgeteilt: Aufgrund einer unternehmensinternen Entscheidung verzichte es auf sein Bewirtungsrecht. Ein Unternehmen sagt Nein. Das ist Marktwirtschaft. Das ist Haltung.
Maier bedankte sich „sehr herzlich“ für die Ehrlichkeit und – Trommelwirbel – drehte das Ganze um: Die Einnahmen aus Speisen und Getränken, die von der AfD offenbar organisiert wurden, würden „nicht in falsche Hände geraten“, sondern dem eigenen Kreisverband zugutekommen.
Lassen wir das kurz sacken: Ein Unternehmen lehnt die Zusammenarbeit ab und Maier macht daraus eine Spende an sich selbst. Das ist entweder sehr kreative Buchführung oder ein bemerkenswert ehrliches Selbstbild. Nach aktuellen Schlagzeilen: das ehrliche Selbstbild einer ganzen Partei.
Auch unsere Spendenaktion wurde von Maier „wohlwollend“ aufgenommen. Maier reagierte: Er werde „das Gute verdoppeln“ und ebenfalls 5 Euro pro Besucher:in spenden – an seinen eigenen Kreisverband Memmingen-Unterallgäu.
Herr Maier, das ist ungefähr so, als würde man ankündigen, Spenden an einen sozialen Verein zu verdoppeln und dann das Geld an sich selbst überweisen. Mit dem Hinweis: Man habe ja schließlich auch Bedarf.
Noch etwas: Maier bezeichnet unsere Spende als Unterstützung für eine Einrichtung, „die häufig Ziel von Ausgrenzung und Abwertung ist“. Nein, Herr Maier – nicht die Einrichtung ist das Ziel, sondern die Menschen, die dort unterstützt werden. Es sind genau jene Menschen, die Ihre Partei gern „remigrieren“, entheimaten und abgrenzen möchte. Das ist nicht nur eine semantische Feinheit, sondern der entscheidende Unterschied zwischen Empathie und Ignoranz. Wer das nicht versteht, hat das Wesentliche nicht begriffen.
DGB und Kirchen: „selbstherrlich“ oder nur unbequem?
Maier ließ es sich nicht nehmen, die draußen „die selbstherrlichen Kirchen und den Deutschen Gewerkschaftsbund“ zu nennen – und ergänzte: „Nix anderes von diesen erwartet.“
Was genau macht eine Institution in Ihren Augen „selbstherrlich“? Ist es, weil Kirchen Menschen in existenziellen Krisen begleiten oder der DGB Millionen Arbeitnehmer:innen vertritt? Vielleicht stört es, dass sie nicht schweigen, wenn die Menschenwürde zur Verhandlungsmasse wird. Wäre das selbstherrlich oder einfach nur unbequem?
Hier kommt der Kern.
Die AfD beklagt gerne, dass sie ausgegrenzt werde. Ein Caterer sagt Nein – Skandal. Eine Gegendemo steht draußen – Angriff auf die Meinungsfreiheit. Doch was kann die AfD tun, um nicht ausgegrenzt zu werden?
Die Antwort ist simpel: Sie kann ihre Worte ändern. Ihre Politik ändern. Ihre Haltung gegenüber Menschen, die nicht ins eigene Weltbild passen. Diese Wahl hat sie, jeden Tag.
Und nun die Gegenfrage: Was können die Menschen tun, die von der AfD ausgegrenzt werden?
Sie können nicht woanders zur Welt kommen. Sie können ihre Hautfarbe, Herkunft, Familie nicht ändern. Pflegekräfte in Memmingens Krankenhäusern, Restaurantbesitzer:innen mit Migrationshintergrund, die Kinder von Geflüchteten, die hier geboren sind. Sie alle können nicht sagen: „Na gut, dann komme ich eben nochmal zur Welt – aber diesmal in Memmingen.“
Diese Wahl haben sie nicht.
Wer also wirklich von Ausgrenzung betroffen ist, sollte auch der AfD klar sein. Wenn nicht, empfehlen wir einen Abend mit uns. Draußen. Im Schnee. Mit 250 Menschen, die das verstanden haben.
Zum Abschluss
Wir waren draußen. Im Schnee. Mit Menschen, die wissen, was Heimat bedeutet. Mit Menschen, die nicht spalten, sondern verbinden. Mit Menschen, die verstanden haben, dass Ausgrenzung nicht etwas ist, das man einfach ändern kann, wenn man will.
Und wir kommen wieder.
Unser herzlicher Dank gilt allen, die diesen Abend unterstützt haben: Myriam Gammer (KAB-Bildungsreferentin und Sprecherin des BfMD), Ralf Matthes (Pfarrer St. Martin), Christian Dorn (Pastoralreferent Cityseelsorge), Tizian Wildegger (DGB-Gewerkschaftssekretär), Wiebke Meiwald (Feministische Aktionsgruppe), Leo Hiemer (Autor und Filmemacher) und Elisabeth Hütter (Schauspielerin).
Den Memminger:innen, die uns ihre Gedanken über Heimat anvertraut haben, mit Worten, die mehr sagten als jede Parole.
Den Parteien, die an diesem Abend Heimat gezeigt haben: SPD Memmingen, ÖDP Memmingen, Die Linke Memmingen, Bündnis 90/Die Grünen Memmingen, Freie Wähler Memmingen und CSU Memmingen.
Und dem Chor Nesabudka (Vergissmeinnicht) unter der Leitung von Olga Bosow, für Töne, die wärmen.
Orga-Team des Bündnis für Menschenrechte & Demokratie

